Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Marien Uelzen

Unsere Kirche

Rundgänge in der St.-Marien-Kirche und in der Apostelkapelle mit Panorama-Aufnahme

Quelle: Uelzen - St. Marien-Kirche Turm von Oxfordian Kissuth. Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0
Die St.-Marien-Kirche gehört zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und ist eine der ältesten Kirchen im Landkreis Uelzen. Sie ist zentraler Mittelpunkt für regionale Gottesdienste und Veranstaltungen. Zur Kirchengemeinde gehören ca. 4900 Gemeindeglieder aus der Uelzener Innenstadt und dem Stadtteil Königsberg sowie den Dörfern Hambrock, Halligdorf, Niendorf, Ripdorf und Woltersburg.

Bericht des NDR von 2015

- Lage und Umgebung -

Die St.-Marien-Kirche befindet sich in der Stadtmitte Uelzens in einer kleinen Seitenstraße. Vor der Kirche befindet sich ein gepflasterter Kirchplatz, der früher als Stadtfriedhof genutzt wurde. In naher Umgebung der Kirche befindet sich die Fußgängerzone mit zahlreichen Cafés und Eisdielen sowie die Stadtbücherei Uelzen. Außerdem befindet sich das Martin-Luther-Haus, welches als Gemeindehaus genutzt wird, gleich neben der Kirche. Vor der Kirche befindet sich ebenfalls das Ulenköperdenkmal.

- Architektur -

Quelle: Uelzen St.Marien Innen 2014 02 von Hans G. Oberlack - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA 4.0
Der im Verhältnis zur Stadtgröße beeindruckende Bau wurde zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert im Stil der norddeutschen Backsteingotik gebaut. Der genaue Baubeginn ist unbekannt. Die dreischiffige gotische Hallenkirche wurde im Jahre 1292 von dem Bischof von Verden geweiht und noch im selben Jahr zur Pfarrkirche erhoben. Gegenüber der Eingangstür erhebt sich der gotische Backsteingiebel der Probstei. Dieser stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

- Konstruktion und Daten -

Die Kirche wurde mit einem Holzgestell errichtet, um das eine Backsteinfassade errichtet wurde, sowie im Inneren der Kirche Backsteinsäulen. Die Fassade musste von 2012 bis 2013 aufgrund von Witterungseinflüssen fast vollständig erneuert werden. Anfangs existierte nur der niedrige Mittelteil des Langhauses als dreischiffige gotische Hallenkirche. Es wird vermutet, dass die hohen Gewölbe des Mittelschiffs einer Bauperiode noch vor 1300 angehörten. Im Laufe der Zeit wurde die Kirche immer weiter angehoben, damit Uelzener Bürger auf dem Friedhof, der sich um die Kirche herum befand, beerdigt werden können. Ursprünglich konnte man durch zwei Stufen abwärts die Kirche betreten, heute sind es fünf Stufen aufwärts.

Kirchturm

Die Kirche besitzt einen 86 Meter hohen quadratisch, wenig gegliederten Kirchturm, der erst nach der Vollendung des Hohen Chors gebaut wurde. Der Turm erhielt 1671 bis 1680 nach dem ersten großen Stadtbrand, bei dem auch ein Teil der Kirche sowie dessen Bibliothek mit wichtigen Dokumenten ausbrannte, ein barockes Aussehen. Die Turmspitze brannte beim zweiten großen Stadtbrand 1945 ab und wurde 1954 neu errichtet. Das besondere an diesem Kirchturm ist das Verhältnis des gemauerten Teiles zur Spitze (42 Meter zu 42 Meter). Durch diese Aufteilung wirkt der Kirchturm sehr schmal, da normalerweise der gemauerte Turmteil höher ist. Von oben hat man eine schöne Aussicht auf Uelzen.

Die Apostelkapelle

Zum Gedächtnis an die vielen Toten der Pestepidemie von 1350 stiftete Propst Hermann Nigebuhr an der Südseite der Kirche die 1357 geweihte Apostelkapelle. Durch die zierlichen Formen und die farbige mittelalterliche Ausmalung steht die Apostelkapelle in Kontrast zur Hauptkirche. Die Apostelkapelle ist zudem Begräbnisstätte der Familie Ellendorf und wird deshalb häufig Ellendorfkapelle genannt.

Die Dreikönigskapelle

Nach dem Anbau der Apostelkapelle, welche gestiftet wurde, erfolgte fast ein Jahrhundert später die Angliederung der Dreikönigskapelle an der Südseite des Turms. 1430 wurde dieser Anbau fertiggestellt und ist heute ein wichtiger Platz für die Morgenandachten.

Die Kanzel

Quelle: von PeterUnlustig1234567890 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Die Kanzel neugotischen Stils der St. Marien Kirche stammt aus dem Jahre 1900. Sie entstand, genauso wie der Hauptaltar, durch C.W.Hase. Sie befindet sich vor dem Hohen Chor der Kirche.

Die Orgeln

Die Orgel der St.-Marien-Kirche Uelzen umfasst 53 Register und ist damit die größte Orgel der Lüneburger Heide. Sie befindet sich über dem Eingang zum Mittelschiff an der Westseite der Kirche und wurde am ersten Advent 2001 nach einigen Sanierungen wieder in Betrieb genommen. Insgesamt wurde die Orgel zwei Mal umgestellt und baulich verändert. Die Gründe für die Versetzung des Instrumentes waren der Platzbedarf für die großen oratorischen Aufführungen und der Bau von den Seitenemporen im Mittelschiff. 1951 bis 1954 wurde die Orgel "barockisiert", was gravierende Veränderungen am Pfeifenwerk zufolge hatte. Ursprünglich stammt die Orgel und der Orgelprospekt von Johann Georg Stein aus dem Jahr 1756, welcher gleichzeitig auch der größte erhalten Orgelprospekt des Orgelbauers ist. 1960 bis 1966 baute eine Orgelbauwerkstatt aus Berlin eine neue dreimanualige Orgel mit 40 Registern. Die klangliche Konzeption orientierte sich an den Vorbildern norddeutscher barocker Orgelbauer. 1997 wurden entschieden die Orgel zu restaurieren, da es viele technische Defekte gab und die Orgel nur begrenzte klangliche Möglichkeiten hatte. Die restlichen historischen Teile der Orgel haben die Zeit dadurch nicht überdauert. Gleichzeitig sollte der Orgelprospekt restauriert und in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Die Restaurierungen beinhalten die originalen Farbschichten der Marmorierung und die Retuschierung der Fehlstellen. Das mit Blattgold und Silber belegte Schnitzwerk wurde ebenfalls von Farbschichten befreit, freigelegt oder neu vergoldet. Als Vorlage diente die die Beschreibung der Stein-Orgel in einer Festschrift aus dem Jahre 1756 und ein Foto von 1885, welches die Orgel vermutlich im Originalzustand zeigte. Der Spieltisch ist mit Kirschbaumholz belegt, die Registerzüge sind aus Nussbaumholz und die von Hand beschrifteten Manubrien aus Porzellan gefertigt. Dem Organisten steht die Setzeranlage mit 256 Kombinationen zur Verfügung und zusätzlich ein Diskettenlaufwerk zum Speichern der Setzer. Insgesamt wurden nur 23 der alten Register übernommen, die anderen 30 wurden neu hinzugesetzt. Durch die Restaurierungen können nun auch neue Elemente in das Konzept mit aufgenommen werden, zum Beispiel die große Setzeranlage. Durch die Bauarbeiten können auf dem Instrument alle Stücke der letzten Epochen gespielt werden. Die Orgelempore wird bei Auslastung aller Kirchenschiffe, zum Beispiel an Heiligabend oder bei Konzerten, für Besucher freigegeben. In der Kirche wurde 1981 eine weitere kleine Orgel von einem Hamburger Orgelbauer erbaut, die bei Hochzeiten, Beerdigungen oder dem Tischabendmahl im Hohen Chor verwendet wird. Das Positiv dieser kleinen Orgel ist mit einigen Handgriffen herauszunehmen, so dass eine Verwendung als Continuo-instrument möglich ist.

Die Glocken

Im Mittelalter besaß der Glockenturm ein Sechsergeläut, welches durch Umschmelzungen, Brände und zwei Weltkriege zerstört wurde. 1949 wurde die Glocke „Maria“ berühmt. Ihr Nachhall soll etwa 80 Sekunden dauern. „Maria“ hat einen Durchmesser von 2,06 Metern und wiegt ungefähr 3500 Kilogramm. Mit diesen Maßen ist die Glocke die größte im Glockenturm der Kirche. Im Jahre wurde die Glocke neu angestrichen und hat das Durchschnittsalter von Stahlglocken weit übertroffen. Das Alter und die großen Rostflecken, die sich immer mehr auf ihr verbreiten, deuten darauf hin, dass sie in den nächsten Jahren unbedingt ersetzt werden muss, da sonst eine wichtige Glocke im Turm fehlt.
Die Glocke trägt eine Inschrift, auf der „Maria bin ich genannt, ich rufe zu Gott für mein Land, nach Krieg und Not ich neu erstand, es goß mich Meister Weules Hand, Propst und Kirchenvorstand“ steht. „Maria“ wird einzig an Karfreitag zur Sterbestunde Jesus Christus gespielt und wenn eine Trauerfeier für einen verstorbenen Probst gehalten wird. Aber auch auf Bitte kann man das Läuten dieser Glocke hören.

In den 1950er Jahren bekam die Gemeinde die Engelbert-Glocke, eine herrenlose Patenglocke, welche 1898 von einer Gießerei aus Hemelingen gegossen wurde. Das Geläut der St. Marien Kirche vervollständigen die „Königin des Friedens“ aus Bochum im Jahr 1954 und die „Osterglocke“ aus Heidelberg, welche 1953 dort gegossen wurde. Aus den Jahren 1647 und 1695 stammen die beiden ältesten Glocken der St. Marien Kirche. Zwei Urschlagglocken, welche 1943 wegen des Zweiten Weltkrieges zur Einschmelzung für Kriegszwecke abgeliefert und 1948 wohlbehalten von dem Glockenfriedhof in Hamburg zurück nach Uelzen kamen. Durch diese Versetzung der Glocken konnten diese während des Zweiten Weltkrieges nicht zertrümmert werden. Ein Großteil der Glocken von St. Marien ist aus diesen Gründen erst in den 50er Jahren gegossen worden.

Zwei Glocken gehören zum Schlagwerk, die zur Stunde und Viertelstunde schlagen. Sie sind mit einem Funksystem zur Kirchturmuhr verbunden. Die fünf anderen bilden das Läutwerk und werden während der Andachten und zu besonderen Anlässen in Schwingung gebracht. Die Kombination der jeweiligen Glocken hat ebenfalls eine Bedeutung. Der Engelbert und die Osterglocke treten etwa beim Taufgottesdienst in Aktion, die Große Uhrschlagglocke und der Engelbert bei einer Trauung. 40 Programmierungen sind deshalb für das ganze Jahr und sämtliche verschiedene Anlässe eingerichtet worden. Wer darin geübt ist, kann an dem Geläut erkennen, welche Glocken gerade gespielt werden. Der Vibrationen der Glocken sind so stark, dass sie bereits auf das Mauerwerk übergehen. Deshalb und wegen anderer Ursachen entstanden schon Risse im Mauerwerk, welche saniert werden müssen. Weiterhin muss der Stahl-Glockenstuhl für die meisten Glocken durch einen aus Holz ersetzt werden.

Das "Goldene Schiff"

Quelle: Goldenes-Schiff von Wolf Rabe. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 de
In einer Wandnische im Eingangsbereich steht das „Goldene Schiff“, welches Wahrzeichen der Stadt Uelzen ist. Es wurde wahrscheinlich zur Zeit der Hanse nach Uelzen gebracht. Herkunft, Alter und einstige Verwendung ist nicht geklärt. Angeblich stellt das Goldene Schiff einen mittelalterlichen Tafelaufsatz dar und ist vermutlich ein Geschenk englischer Kaufleute. Wiederum wird behauptet, dass der Hansekontor des Stahlhofes 1598 von der britischen Königin geschlossen wurde und daraufhin der Sohn eines einstigen Bürgermeisters Uelzen den Tafelaufsatz mit in die Stadt brachte. Wahrscheinlich handelt es sich um ein ehemaliges Reliquiar, welches sich in einer Mauernische neben der Turmhalle der Kirche befindet. Ein Duplikat dieses Schiffes steht im Rathaus von Uelzen.

Malereien

Quelle: von PeterUnlustig1234567890 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Die Malereien im Chorgewölbe, welche 1962 freigelegt und restauriert wurden, zeigen die zwölf Apostel, einen Gnadenstuhl und den thronenden Christus. Die farbigen Glasfenster stellen ebenfalls Szenen aus dem Leben der Apostel dar und wurden von Renate Strasser entworfen.

Der Annen-Altar

Quelle: von PeterUnlustig1234567890 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Der Annen-Altar ist eine Lüneburger Schnitzarbeit gotischen Stils. Der Annen-Altar aus dem Jahre 1506 hat seinen Platz in dem Chor der Apostelkapelle gefunden. Der Altar zeugt von beeindruckenden handwerklichen Fertigkeiten. Insgesamt soll es zu der Zeit der Reformation in der St. Marien Kirche siebzehn Altäre gegeben haben. Durch Brände und weitere Umstände überdauerten diese Altäre die Zeit allerdings nicht.

Der Marienleuchter

Der Marienenleuchter stammt aus dem Jahr 1450. Er besteht aus Gelbguss und stellt eine gotische Doppelmadonna auf der Mondsichel dar und dient, neben den anderen Lampen in der Kirche, zur Beleuchtung. Er befindet sich in der Nähe der Kanzel, mittig in der Halle ausgerichtet. Er wird ausschließlich zu Lichtergottesdiensten und beim Abendmahl angezündet.

Die Grabsteine

Die Außenfassade der Kirche schmücken Grabsteine von Bürgermeistern, Pastoren und deren Angehörigen. Auf dem Platz der St. Marien Kirche befanden sich früher die Begräbnisstätten, weshalb dort heute die Grabsteine einiger Uelzener an der Außenfassade hängen.

- Aktuelle Nutzung -

Gottesdienste - Konzerte - Taufen - Trauungen - Oratorien - Kirchenpädagogik - Feste - Jahresempfänge

Gottesdienste

Die Kirche wird zur regulären Gottesdienstbenutzung am Sonntagmorgen benutzt. Etwa alle zwei Monate findet das „Zweite Programm“ statt, ein alternativer, freierer Gottesdienst. Außerdem wird Samstags 14-tägig die Kinderkirche angeboten. Des Weiteren werden hier die Gottesdienste zu Einschulungen, Konfirmationen und Abschlüsse gefeiert.

Veranstaltungen

Es finden regelmäßig Chor- und Orgelkonzerte von regionalen und nationalen Künstlern, Oratorien, Passionen, Sommerkonzerte und große Chor- und Orchesterwerke statt. Es treten unter anderem regelmäßig die Kantorei der Kirche und das Uelzener Kammerorchester auf.

Sonstiges

Von Ostern bis Erntedank findet jeden Mittwoch eine 20-minütige Orgelandacht statt.
Auf Anfrage und zu Gemeindefesten sowie zum Tag des offenen Denkmals finden Turmführungen bis zu den Glocken und zum hölzernen Dachgewölbe statt.

Bei einem schweren Gewitter in der Nacht auf den 7. September 2014 wurde der Kirchturm von einem Blitz getroffen. Infolge dessen wurde die Tontechnik und Außenbeleuchtung der Kirche nahezu vollständig zerstört sowie die Uhr- und Glockenelektrik beschädigt.

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Beruht auf dem Werk unter https://de.wikipedia.org/wiki/St._Marien_%28Uelzen%29.